Artenvielfalt schwindet

Wildbienen
Thomas Träger: Der Nachbar repariert seine Scheunenwände nicht, weil darin zwei Wildbienenvölker nisten. Auf unserem Hof sind ebenfalls zwei Bienenvölker ansässig gewesen. Letztes Jahr existierte nur noch ein Volk – die Bienen finden schon lange keine Nahrungsgrundlage mehr (Blüten). Meine Frau als Gartenbauingenieurin hatte die Wiesen mit Kräutern und Blumen aufgebessert – das ist jetzt alles für die Katz. Auch hat sie einen Blühstreifen von 100 x 50 m angelegt für die wilden Bienenvölker in Tremsdorf – um den verbliebenen Futter zu bieten, um den Rest zu retten.
Wir machen das, was die Leute vom Naturschutz eigentlich tun müssten.

Wir wollen die Vögel wieder haben, die Bienen, die Hummel, die Blumen.
Es war einer der schönsten Flecken Erde hier.

 

Salmonidengewässer
Der Angler Peter Biller: Zu DDR-Zeiten war der Königsgraben ein Salmonidengewässer – es lebten hauptsächlich Bachforellen darin. Das Wasser war glasklar. Auch der Anglerverein kümmerte sich darum. Einmal im Jahr wurden die Sohlen und die Böschungen beräumt. Diese Beräumung hat der Förderverein verboten.
Räumt man die Gräben nicht, fliesst das Wasser nicht mehr genügend und die nicht geräumten Pflanzenreste beginnen darin zu vermodern.  Durch die Faulgase hat das Wasser keinen Sauerstoff mehr.

Wenn der Naturschutz in der Lausitz – in dieser kaputte Landschaft – nun Vieles ausprobiert, das ist in Ordnung. Aber hier war doch alles vorhanden! Hier war doch ein Biotop, es war doch alles da.Tatsächlich war viel mehr da, bevor der Förderverein eingriff – und das ist das Bösartige daran!

 

In FFH Gebiet Müggelspree-Niederungen geschützte Arten vernichtet
Gemäß FFH Status unter der Registriernummer DE3649303 leben – respektive lebten – nachstehende geschützte Arten in der Müggelspree – Niederung schreibt Lutz Holst in seiner Website www.spreemücke.de

• Zauneidechse (Lacerta agilis); ihr Lebensraum sind trockene Waldränder, Dühnen etc. Durch die grossflächige Vernässung ihres Lebensraum hat man den Bestand dieser „streng zu schützenden Art“ (FFH Natura 2000) offenbar  vernichtet.

• Ringelnatter – sie ist auf trockene Eiablage-, Sonnenplätze und Winterquartiere angewiesen. Die Winterhochwasser werden sie in der Kältestarre ertränkt haben.

 

Dank Artenvielfalt unter Naturschutz gestellt
Rita von Feilitzsch, Ingenieurin für Landtechnik: Das Gebiet der Nuthe-Nieplitz-Niederungen ist ja wegen der vorhandenen Artenvielfalt unter Naturschutz gestellt worden. Diese seltenen Arten haben sogar 40 Jahre DDR-Landwirtschaft überlebt – 20 Jahre Naturschutz aber nicht!
Wie hat sich diese Artenvielfalt trotz intensiver DDR-Landwirtschaft entwickeln können?

Im Phosphatdüngern findet sich Uran. Das nehmen die Pflanzen nicht auf, es wird ausgewaschen und belastet das Trinkwasser. Die Karten zeigen heute, dass die grössten Urananreicherungen in Süd- und Westdeutschland liegen – die neuen Bundesländern sind dagegen relativ wenig belastet – in der DDR hatten wir gar nicht soviel Dünger, alles war zugeteilt.

Als wir in den Westen kamen, fiel uns auf, dass die Felder zwar kleiner und schön grün waren – aber es war kein Vogel zu sehen. Sie hatten zwar Hecken, aber diese Hecken waren kaum belebt. Da lebte auf unseren intensiv bewirtschafteten Äckern wesentlich mehr Viehzeug.
Auch Pestizide hatten wir nicht viel – so etwas wie Roundup gab es in der DDR nicht – du hast gepflügt, gescheibt, gegrubbert, um das Unkraut zu bekämpfen. Der Westdeutsche Bauer ist mit der Spritze drüber gefahren: Ratz-batz, blieb nur noch stehen, was er wollte.
Dieser moderate Pestizideinsatz erklärt, warum Störche und Seeadler in der DDR überlebt haben.

Das ertragreiche Gras ist an einen bestimmten Wasserabstand unter Flur gebunden. Steigt das Wasser, geht es ein. Die gute Grasnarbe fault aus, der Boden wird kahl. Dann kommen Binsen, Seggen, Schilf. Was lebt davon und darin? Der Schilfrohrsänger.
Aber Rebhuhn, Fasan, Lerche, Kiebitz brauchen Würmer, Schnecken. Auch die Samenstände der wertvolleren Gräser fehlen ihnen – sie ziehen weg.
Der Kranich will Wiesen und Äcker, er sucht Saat – mit Vorliebe auf Maisäckern.
Auch der Schwan meidet das Schilf, ausser zum Nestbau. Auch er frisst lieber auf dem Acker. Auch er braucht offene Gräben und Wasserflächen, wo er gründeln kann. Matschwiesen bringen ihm nichts.

 

Vertreterinnen von LINKEN und  GRÜNEN decken Wiedervernässung blind
Aus der kleinen Anfrage der SPD vom März 2012
»8. Welche Auswirkungen sind seit unter Schutzstellung auf die Biodiversität im Gebiet des LFV NNN zu beobachten?«

Ministerin Tack beantwortet:
»Der Landesregierung liegen keine aktuellen populationsökologischen Untersuchungen hinsichtlich der Auswirkungen der Unterschutzstellung auf dem Gebiet des Fördervereins vor. Es ist jedoch generell davon auszugehen, dass die Biodiversität auf den Flächen des Fördervereins, auf denen Massnahmen des Naturschutzes umgesetzt wurden, eine deutliche Aufwertung erfahren hat.«

Kreismitgliederverband Potsdam-Mittelmark der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bekennen sich am 21.5.12 zum Moorschutzprojekt des Landschaftsfördervereins Nuthe-Nieplitz-Niederung e.V. Dabei weisen sie darauf hin, „dass der Schutz des Moores einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leistet – für viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist die Erhaltung unserer Moore als Lebensraum von Bedeutung.“