Wiesenbrüter

Oderbruch
Die andauernden Vernässung grosser Flächen des Oderbruchs hat den Tierbestand dort stark verändert, berichtet die MOZ: „Der Fasan ist stark rückläufig. Das Rebhuhn ist verschwunden, das hatten wir früher regelmässig und stabil im Bruch. Seit 1970 wird es nicht mehr bejagt, und trotzdem ist es verschwunden. Ebenso die Bekassine,“ sagt der Vorsitzende des Hegerings Zollbrücke, Otto Kurth. Hingegen nehmen Füchse und Marderhund zu sowie das Schwarzwild. „Besonders krass haben die Bodenbrüter unter der Vernässung zu leiden (..) Ich finde es scheinheilig, wenn manchmal zum Vogel des Jahres ausgerufen werden, wie die Feldlerche. Die ist fast verschwunden, dafür breiten sich schwarmweise die Krähen und andere Rabenvögel aus, die gerne die Gelege der Bodenbrüter fressen. Wir beobachten an den Siedlungsrändern massenhaft Elstern.“

 

Tremsdorf
Thomas Traeger: Hier sehen wir einen der letzten Wiesenbrüter (ein Fasan fliegt auf) einer von Hunderten, die hier lebten. Wenn man früher hier umherging, konnte man ohne Probleme in wenigen Minuten zehn Fasane und Rebhühner aufscheuchen. Früher waren die Wiesen um diese Zeit voller Kiebitze und Frösche – auch die sind alle weg.

Die Kolonien von Wiesenbrütern haben sich ja innerhalb der extrem nachhaltigen und intensiven Landwirtschaft zu Zeiten der DDR gebildet. Die ganze ökologische Vielfalt, die seit dem Jahr 2000 kontinuierlich abgenommen hat ist in der DDR entstanden. Es gab eine ausgewogene Mischung von Grünland, Viehbewirtschaftung und Ackerland. Die großen brachliegenden Flächen östlich des Königsgraben waren mal Äcker. Der LFV hat diese Flächen nicht bewirtschfaftet.

1993 waren hier die Wiesen voller Kiebitze. Dann hat der Naturpark verfügt, dass die Wiesen erst in der zweiten Juniwoche gemäht werden dürfen. Damit wollten sie die Wiesenbrüter schützen. Aber diese Vögel brüten nicht in hohem Gras, sie wollen ihre Feinde sehen können. Die Einheimischen haben den Rangern, die hier aufpassen, gesagt, dass so die Wiesenbrüter ausgerottet werden würden. „Ne, ne, wir machen das schon richtig“ – mit dem Effekt, dass jetzt die Wiesenbrüter, die Frösche, die Libellen und alles Getier weg sind. Dafür hat der Naturpark Geld vom Förderprogramm bekommen.
Wir hatten ein Vogelparadies. Hier kamen die Schulklassen her, um Vögel zu beobachten und aufzuschreiben.
Dafür dass die Bauern eine Wiese erst nach dem 15. Juni mähen dürfen, erhalten sie Ausgleichszahlungen aus Steuergeldern.


Landwirt Jens Schreinicke findet die Kiebitze heute aber auf jenen Wiesen, die nicht unter Naturschutz stehen, die er vor dem 15. Juni mäht und für die er keine Ausgleichszahlungen bekommt. Dort finden sich im Mai Hunderte von Kiebitzen ein, „zwischen den Rindern, wo Kuhscheisse und Heu herumliegt, – da sind die Kiebitze heute, weil sie da auch was zu Fressen finden! Auf den Wiesen, die grossflächig ungemäht bleiben, sind die Wiesenbrüter weg.“
Thomas Träger: Die sind jetzt auf dem Golfplatz in Neubeeren!

Jens Schreinicke schlägt deshalb ein anderes Konzept vor:
„Es sollte geschützte Bereiche geben, wo der Bauer nicht vor dem 15. Juni – meinetwegen auch Streifen, wo er nicht vor dem 1.Juli drauf kann – also lauter Biotop-Flecken und um diese herum eine extensive Landwirtschaft – das nützt der Artenvielfalt am meisten.“

 

Zwanzig Jahre und Millionen Euro später…
Jens Schreinicke: Die entscheidende Frage ist, wie war der ökologische Zustand 1990 und wie ist er 2010. Was hat sich verbessert mit den Millionen, die da hineingepumpt wurden? Welche Massnahmen haben die Artenvielfalt eventuell sogar reduziert?