Wasserhaushalt

Stauwart
Rita von Feilitzsch: In Tremsdorf hatten wir immer Wasser in den Kellern im Frühjahr und Herbst. In Absprache mit den Dorfbewohnern hat der Stauwart das Wasser in den Königsgraben abfliessen lassen und dann wieder aufgestaut, um das Wasser für den Sommer zurückzuhalten.
Mein Ex-Mann und sein Vater bedienten dieses Stau, mussten immer kurbeln – über Generationen hinweg. Nach der Wende kam der Förderverein, sagte, um dieses Sache würde sich keiner kümmern, das würden sie jetzt tun. Sie nahmen den Schlüssel und gaben ihn nicht mehr heraus, meinten gar, da müsste eine höhere Staustufe hin und bauten ein neues Wehr – das Schäferwehr.
Die Landbesitzer bezahlen ja den Wasserunterhaltungsverband, damit der die Grabenränder und die Solen räumt, damit das Wasser fliesst, den Schlüssel aber haben sie nicht.
Da kann man nun zugucken, wie sich die Wiesen füllen und das Wasser dort jetzt ganzjährig steht.

 

Eingriffe in den Wasserhaushalt – wer ist dazu befugt?
Als in Tremsdorf die Keller vollgelaufen waren, beschwerte sich die Ortsvorsteherin Frau Stoof und verlangte, dass man den Grundwasserspiegel wenigsten ein paar Zentimeter senke. Dagegen verwahrte sich der Förderverein und die zuständigen der Unteren Wassserbehörde mochte keine Stellung beziehen. Da schlug der Förderverein vor, etwas Wasser aus dem Königsgraben auf Höhe Tremsdorf abzulassen, davor aber eine nicht regulierbare Staustufe einzubauen, welche die Ungeheuerwiesen definitiv unter Wasser setzen würden.
Jens Schreinicke: Da wurde mir plötzlich klar, wohin die Reise eigentlich geht. Das war schon lange das Ziel de Fördervereins, nur dass er es heute als Klimaschutz verkauft, um an die ILE-Mittel zu kommen (EU-Fördermittel für die integrierte ländliche Entwicklung).

Jens Schreinicke plädiert dafür, dass Eingriffe in den Wasserhaushalt einer Region nur der Wasser- und Bodenverband vornehmen darf: Dafür wird dieser Verband bezahlt und ist dazu vom Gesetzgeber legitimiert – und niemand anderes.
Der damalige Gewässerunterhaltungsverband mit Herrn Simon als Geschäftsführer untersteht wie der Wasser- und Bodenverband der Unteren Wasserbehörde. Herr Simon hat die Räumung des Königsgrabens – wahrscheinlich auf Wunsch des Fördervereins – über mehrere Jahre stark vernachlässigt.
Jetzt gibt es diesen Unterhaltungsverband nicht mehr, er ist eingegangen in den Wasser- und Bodenverband Nuthe-Nieplitz. Dieser nimmt die Grabenräumung ernst; jetzt muss er nur noch die Mittel haben, die alten Stauanlagen wieder betriebsfähig zu machen. Dann werden Stauziele vereinbart: „Dafür müssen wir nichts Neues erfinden. Die Leute hier haben schon vor sechzig Jahren gewusst, wie das geht.“

 

Trinkwasser
Früher hat man das Wasser auf den trockenen Standorten zurückgehalten und aus den feuchten Wiesen abfliessen lassen: Inzwischen ist auch das Wasser der Oberflächen-Schichtenwasserbrunnen nicht mehr zum Tränken der Tiere geeignet, weil das tote Wasser überall hineindrückt und alles verseucht. Das Verdauungssystem des Pferdes ist wesentlich empfindlicher als das des Menschen, es reagiert also viel eher mit einer Kolik bei schlechtem Wasser.
Inzwischen ist nicht nur das Wasser aus den privaten Brunnen der Tremsdorfer verseucht, auch das Wasser aus dem kleinen Trinkwasserwerk des Ortes ungeniessbar; es rieche nach alten Lumpen. Die Märkische Wasser und Abwasser GmbH versorgte die Tremsdorfer ab dem 17.März 2012 vorerst mit Trinkwasser in Beuteln. Die Ursache ist noch unklar; ziemlich sicher ist es nicht Vernässung, zumal das Wasser des Brunnens aus grosser Tiefe geholt wird.