Mücken, Gnitzen, Bremsen

Tremsdorf
Thomas Träger: Die Pferde sind bei dem Mückenbefall nervös und schweißnass, rennen dauernd hin und her, weil sie ständig gestochen werden. So mussten die Pferde im vergangenen Jahr auch tagsüber in den Boxen stehen, weil die Mückenplager nicht mehr beherrschbar war:

Vier Mücken-Terminatoren stehen auf der Pferdeweide, zwei mit Gas betrieben, die verbrauchen pro Woche 50 Liter Gas. Ohne diese hatte man in den letzten fünf Jahren kein einziges Pferd mehr auf die Weide lassen können. Die Auffangbehälter der Terminatoren sind normalerweise nach einem Tag voll; im letzten Jahr waren diese schon nach 30 Minuten voll. Wir hätten also einen eigenen Angestellten gebraucht, der hier alle halbe Stunden die Mücken entsorgt.

 

Kieshofer Moor
Eine Folge der Vernässung, die die Anwohner des Kieshofer Moores mehr als alles andere einschrönkt, ist die Mücken- und Gnitzenplage. Sommers halte man es draussen überhaupt nicht mehr aus.

 

Gutachten
2011 erstellte die BIOM eine „Medizinisch-entomologische Risikoanalyse“ im Auftrag der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern.

In diesem Gutachten wird festgehalten: Temporär überstaute Ufer und Bodensenken „bieten Mücken, Gnitzen und Bremsen ideale Entwicklungsbedingungen, da ihre Larven im Wasser oder im feuchtgründigen Boden leben.“

Der Rückgang der Malaria in Nordeuropa sei schliesslich der Melioration und landwirtschaftlichen Nutzung der früheren Sümpfe zu verdanken. Deren Überträger, die Anophelesmücke ist hier weiter heimisch. Sie kann den Malaria- und andere Erreger, die über den Tourismus eingeschleppt werden, erneut in diesen neu vernässten Gebieten verbreiten. „Die Lebensqualität der Anwohner und die medizinische Vorraussicht zwingen dazu, bei der Renaturierung von Feuchtgebieten auch diesen Aspekt zu beachten und in der Landschaftsplanung zu berücksichtigen.“

Eine Vernässung bietet ganz andere Vermehrungsmöglichkeiten als ein offenes Gewässer, über das der Wind streicht und wo Fische oder Lurche die Mückenlarven jagen. Manche der Lästlinge sind gerade von den Wasserstandsschwankungen abhängig. Wiesenmücken legen ihre Eier auf vernässten Flächen ab, wenn diese vorübergehend trocken fallen.

 
Gnitzen
Für die Anwohner des Kieshofer Moores sind nicht die Stechmücken das Problem – gegen sie schützen Gazefenster oder auch Autan. Dagen haben sie bisher noch kein Mittel gefunden, sich der Gnitzen zu erwehren.
Gnitzen sind kaum 2mm gross, nicht hörbar und fast unsichtbar – aber ihr Stich ist schmerzhaft und hat oft schmerzhafte Quaddeln zur Folge.

Sie übertragen den Erreger der Blauzungenkrankheit und das Schmallenberg-Virus, das bei Rindern, Schafen und Ziegen Aborte verursacht und missgebildete Totgeburten. Vom Schmallenbergvirus waren in 2011 bereits 1.000 Betriebe betroffen.

Schlussfolgerung des Gutachtens: „Weit problematischer (als die Zunahme von Wiesenmücken) ist jedoch die Situation der Einwohner durch die massenhafte Zunahme der Gnitzen infolge der starken Vernässung der Wiesen und Grünflächen, sowie der Böden der Ortslage. (..) Gegen Gnitzen gibt es keine tatsächlich wirksamen Gegenmassnahmen außer der Verringerung der Bodenfeuchte in Wohn- und Wirtschaftsbereichen. Eine Abhilfe kann nur dadurch geschaffen werden, dass das Umfeld der Ortslage nachhaltig entwässert und die Bodenfeuchte deutlich verringert wird.