Ablasshandel

Unter dieser Überschrift beschreibt der Wissenschaftsjournalist und Biologe Philipp Bethke faktenreich, wie gutes Ackerland für „Ökopunkte“ –  d.h. zum Ausgleich von Eingriffen in die Umwelt – missbraucht wird in „DER SPIEGEL“ vom 20.12.2004

Auch in die grossräumige „Renaturierung“ der Müggelspree, bei der 1.000 ha Wiesen unter Wasser gesetzt werden, flossen Kompensationsgelder für das Güterverkehrszentrum GVZ im Süden Berlins.

 

Moorbasierten Zertifikate

Am 23.10.2013 veranstaltet das Helmholz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Umweltminister von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern einen „Kleinen Moorgipfel“ in Berlin. In Ihrer Einladung schreiben sie:

„Die Moor-Wiedervernässung ist in mehrfacher Hinsicht besonders wertvoll nicht nur für das Klima, da die Emissionen minimiert werden, sondern zum Beispiel auch für die Erhöhung der biologischen Vielfalt und der Wasserqualität.

So gibt es im Bereich der moorbasierten Zertifikate für Emissionsverminderungen interessante Entwicklungen: Diese Zertifikate eignen sich als freiwilliges Kompensationsprodukt und Investitionsmöglichkeit für Unternehmen, um die eigene Klima- oder z.B. auch Biodiversitätsbilanz zu verbessern. Sie er öffnen aber auch attraktive Möglichkeiten, die Leistungen der Natur stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken.“

Diese Einstellung bleibt vom grossen Publikum unhinterfragt, denn die Mehrheit lebt in der Stadt, ist von dieser Art „Naturschutz“ nicht betroffen und konsumiert Natur nach dem Moto: „Wozu brauchen wir eine funktionierende Landwirtschaft und Gärten, wir finden unser Essen beim Discounter.“

Dr. Arthur Chudy bringt es auf den Punkt: „Besonders in Deutschland neigt die supermarktübersättigte Gesellschaft zu mystizistischen Naturauffassungen als eine Art Ersatzreligion; die Natur wird subjektiviert. Ausdruck dessen sind eine Verherrlichung von „unberührter“ Natur, oder Formulierungen, wie „die Natur nimmt sich“, „der Natur etwas zurück geben“.

Demgegenüber werden die Leistungen der Kulturpflanzen herabgewürdigt. Der Kulturpflanzenbau ist aber ebenso „Natur“ wie jeder andere Biotop.“